Energetischer Funktionalismus

Energetischer Funktionalismus ist eine Weiterentwicklung der Vegeto-Therapie bzw. späteren Orgon-Therapie Dr. Wilhelm Reichs. Im Unterschied zu dem ursprünglichen Ansatz Reichs bezieht der Energetische Funktionalismus die Auflösung vorgeburtlicher und geburtsbedingter Traumata in den therapeutischen Prozess mit ein.

In Jahrzehnte langer Arbeit und Forschung zusammen mit Hebammen, Ärzten und Psychologen sowie langjähriger körpertherapeutischer Betreuung von Schwangeren und vielen Geburten entwickelte der italienische Psychologe Dr. Francesco Dragotto eine Methode, die es ermöglicht, innerhalb des therapeutischen Prozesses Zugang zu dem Mysterium des vorgeburtlichen Erlebens zu finden und hier heilend einzuwirken.

Die energetische Welt des Wassers und die Geburt

Wenn wir den Mutterleib verlassen tun wir das mit tiefen Eindrücken und Prägungen, die unser weiteres Leben grundlegend beeinflussen. Niemals wieder in dem langen Leben eines Menschen wird sein Wesen, sein Geist und sein Körper verletzlicher sein als hier in diesem mütterlichen Raum, in dem Selbstverteidigung undenkbar ist. Hier, im emotionalen Feld elterlicher Angst, Hoffnung und Ambivalenz, wird die Grundlage für unser späteres Lebensgefühl gelegt, auf dem die spätere Charakterformation des einzelnen aufbaut. Schmerz, Kummer, Einsamkeit und Gefühle intensiver Verletzlichkeit gehören zu den Grundgefühlen vieler Menschen. Wenige von uns werden bewusst und in Liebe und Harmonie empfangen, genießen die Schwangerschaft in einer Mutter, die frei ist von Spannung und Angst. Wenige Mütter erkennen das in ihnen heranwachsende Kind als eigenständiges, von ihnen getrenntes Individuum an, mit dem sie Kontakt aufnehmen können, anstatt es symbiotisch zu vereinnahmen. Wenige von uns werden ohne Medikamente oder Narkose geboren und kommen spontan zur Welt, geborgen in sanften, väterlichen Händen, die uns erwarten und uns willkommen heißen. Noch weniger genießen das Stillen nach Bedarf und den ausreichenden zärtlichen Kontakt mit dem Körper der Mutter nach der Geburt. Die Durchtrennung der Nabelschnur erfolgt viel zu früh, das Kind erlebt einen einschneidenden Schock, das Licht ist zu grell, der Umgang mit dem Neugeborenen technisch, unsanft. Das Zur-Welt-Kommen ist oft ein raues Erwachen – es fehlt an Kontinuität und unsere Sicherheit ist bedroht.
Es gilt, diese Erlebnisse unbedingt zu mildern, indem wir sie bewusst machen und heilen, bevor wir sie ohne unser Wissen an unseren Kindern wiederholen.

Sinn und Ziel unserer Arbeit ist es mit dieser „energetischen Welt des Wassers“ (das Ungeborene lebt im Fruchtwasser) in Kontakt zu kommen, um vorgeburtliche Erfahrungen zu reorganisieren, sie zu vollenden und zu heilen. Zugang zu den eigenen Primärerfahrungen zu finden kann uns davor bewahren, tiefe unbewusste Muster lebenslang auszuagieren. Bestimmte negative Grundgefühle und Tendenzen wie zum Beispiel Verwirrtheitsgefühle, mangelnde Vitalität, mangelndes Identitätsgefühl, Angstsymptomatiken wie z.B. Panikattacken und Phobien oder auch Biopathien, die ihre Wurzeln in intrauterinen Erfahrungen haben, können dadurch aufgelöst und geheilt werden.
Der Vater und die energetische Welt des Wassers

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich in unserer Arbeit auf die Rolle des Vaters. Vaterschaft fängt im Moment der Empfängnis an. Die bewusste, aktive Anwesenheit des Vaters bereits während der Zeit der Schwangerschaft ist wesentlich für die gesunde Entwicklung des ungeborenen Kindes. Begleitet und erwartet er das Kind mit Freude, Anteilnahme und Präsenz dann kann es nach neun Monaten mit Kraft und Zuversicht die mütterliche Welt verlassen und in diese Welt geboren werden.

Zur Frage der körpertherapeutischen Technik

Um Zugang zu pränatalen Erfahrungen zu bekommen, arbeiten wir in dieser Phase der Therapie mit einer tiefen, energie-kanalisierenden Atmung, vorwiegend in Seitenlage (Fötallage). Die Arbeit im körperwarmen Wasser kommt hier hilfreich zum Einsatz. Im Gegensatz zu späteren Phasen der Therapie werden hier noch keine muskulären Panzerungen aufgelöst, da davon ausgegangen wird, dass sich einschränkende oder traumatisierende Einflüsse aus dieser Entwicklungsphase rein energetisch, d.h. in einer gestörten Pulsationsfähigkeit des energetischen Feldes, manifestieren.

In-sich-selbst-ankommen-können, Angenommen-Sein, Vertrauen finden, Wärme, Geborgenheit und Kontakt sind die Elemente dieser Zeit, mit deren Hilfe wir versuchen, einen „neuen Uterus“, ein neues Energiefeld aufzubauen. Die Energie des Patienten kann sich aus der Tiefe heraus neu organisieren. Die Erfahrung des Mit-sich-eins-Seins, das Gefühl des Vollständig-Seins kann hier gefunden werden und daraus resultierend die Möglichkeit, wirklich geboren zu werden.

Auf dieser Grundlage kann die Therapie dann die späteren Entwicklungsphasen durchlaufen und Prägungen aus der oralen, der urethralen, analen, phallischen und genitalen Phase bearbeitet und zum Abschluss gebracht werden.